Ich habe meinen Großvater nie persönlich kennengelernt. Als ich geboren wurde, war er bereits seit über 9 Jahren verstorben. Er hatte ein bewegtes Leben, von dem wir in der Familie immer noch viel sprechen und manches Mal wurden mir einige Ähnlichkeiten mit ihm nachgesagt. Als leidenschaftlicher Autor hat er auch mehrere Schriftstücke hinterlassen, wodurch seine Geschichte weiterhin greifbar und authentisch bleibt. Im Folgenden möchte ich seine Memoiren veröffentlichen. Dies ist der erste, ungefilterte Teil der Geschichte seiner Auswanderung und seines restlichen Lebens auf einem anderen Kontinent.
Kontaktiert mich gerne bei weiteren Fragen und folgt diesem Blog, um die Fortsetzungen nicht zu verpassen.
Die Geschichte einer Auswanderung – Teil 1
Die Geschichte meiner Auswanderung und meines Siedlerlebens im argentinischen Urwald, in Eldorado (Misiones).
Von Franz Lüttig, Wewelsburg, Kreis Büren (Westfalen).

Es ist gut, dass der Mensch nicht die Zukunft wissen kann. Sonst würde man vieles, was mit großem Eifer begonnen wurde und nur mit den größten Schwierigkeiten vollendet werden konnte, gar nicht angefangen haben. Dies trifft in sehr vielen Fällen für die Auswanderer zu. Es ist schwer, sich im Ausland eine gute Existenz zu schaffen. Wenn dann noch besondere Umstände hinzukommen, wie dies bei einer Ansiedlung im Urwald in subtropischen Ländern der Fall ist, sind die Schwierigkeiten fast kaum zu bewältigen.
Die Schicksalsjahre 1932/33 haben auch mein Los für die Zukunft entschieden. Jeder wusste, dass im politischen Leben eine Wende kommen würde. Ich war fest davon überzeugt, dass die neuen Herren mit ihrem maßlos übersteigerten Nationalismus und mit ihrem Herrendünkel der germanischen Rasse, Deutschland und ganz Europa dem Ruin entgegen führen würden. Bis zum Letzten habe ich gegen die unheilvolle Entwicklung des politischen Geschehens angekämpft. Das neue Regime würde mich für meinen Starrsinn büßen lassen. Wenn jemand von einer Idee überzeugt ist, ist er auch bereit, Opfer dafür zu bringen. Aber sie müssen Sinn und Zweck haben. Es war zu spät das kommende Unheil abzuwenden.
Vier von meinen Vettern, die sechs Jahre vorher nach Argentinien ausgewandert waren, hatten sich im Urwald von Nordargentinien, in Misiones, dem Territorium das sich wie ein Finger zwischen Paraguay und Brasilien bis zum Grenzfluss Iguazu nach Norden erstreckt, eine gute Existenz geschaffen. Der ältere von ihnen, der für kurze Zeit zurückgekommen war, versicherte mir, dass er mit seinen Brüdern mir über die Anfangsschwierigkeiten hinweghelfen würde. So musste ich nun mit aller Energie die Vorbereitungen für meine Auswanderung treffen. In Deutschland konnte ich nicht mehr bleiben und die spätere Entwicklung hat mir recht gegeben. Es war ein Wettlauf mit der Zeit, um früh genug die erforderlichen Dokumente zusammen zu bekommen und die Heimat zu verlassen, ehe es zu spät war.
Fortsetzung folgt schon bald…

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